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Echo State Network, 2019

 

 

 Courtesy of the Artist

 

die Sonifizierung des Rechenprozesses in einem analogen neuronalen Netz, 2019

Das erste Lied, das ein Computer intonierte, war in den 1970er Jahren, als ein IBM 704 in den Bell Labs "Daisy Bell" sang. Das gleiche Lied sang auch die künstliche Intelligenz HAL-9000 im Film "2001: A Space Odyssey" von Stanley Kubrick. Aber warum sollte eine KI menschliche Lieder singen?

Würden sie nicht ihre eigenen Beats und Melodien bevorzugen?

Die Klangstrukturen, die durch die ewige Oszillation analoger neuronaler Netze erzeugt werden, sind eher der mögliche Soundtrack, wenn die technologische Singularität erreicht ist und die KI die Macht übernimmt. An diesem Punkt in der Zukunft, wenn die Technologie unkontrollierbar wird - wie es der Mathematiker John von Neumann in den 1950er Jahren voraussagte -, werden die Überreste der menschlichen Zivilisation wahrscheinlich eine Art "Echo State Network" hören.

 

 

 Courtesy of the Artist

 

Die Installation wirft die Frage auf: Kann man das Feuern von Neuronen hören? Hat ihr Aktionspotential Tonhöhe und Klangfarbe? Wie sehen Muster und Strukturen eines neuronalen Netzwerks aus und wie klingen sie? Und was passiert, wenn das Netzwerk diese Klänge und Muster ebenfalls hört - und diese Informationen wieder in das Netzwerk einspeist?

Im Zentrum der Klanginstallation "Echo State Network" von Wolfgang Spahn steht ein künstliches analoges neuronales Netzwerk, das Klangmuster und hörbare Strukturen erzeugt. Die Schaltung des Neurons ist eine Adaption eines frühen neuronalen Modells, das ursprünglich von dem japanischen Mathematiker Shun'ichi Amari zur Erklärung des menschlichen Herzschlags entworfen wurde. Dabei wurde das Netzwerk um den Faktor Zeit und Rückkopplung ergänzt. Im Vergleich zu Facebook- und Google-Netzwerken ist dieses neuronale System wesentlich komplexer und vielfältiger in seinem Erscheinungsbild. Man kann sagen, dass dieses analoge künstliche Netzwerk viel mehr die chaotische menschliche Natur widerspiegelt als die digitalen KI-Implementierungen.

 

 

 Courtesy of the Artist

 

Als Teil seines Analog Computer Confetti hat der Künstler eine analoge elektrische Schaltung geschaffen, die ein Modell eines Neurons nachahmt. Mehr als 150 der Confetti Neurons werden eine analoge Version eines so genannten "Echo State Network" bilden. Und weil das Modell für dieses Neuron entwickelt wurde, um unseren Herzschlag zu erklären, wird dieses Netzwerk oszillieren, pulsieren und die komplexesten Muster erzeugen, die man sehen und hören kann.

 

 

 Courtesy of the Artist

 

Ein Echo State Network ist eine besondere Art von Modell eines rekurrenten neuronalen Netzes. Im Kern handelt es sich um ein komplexes, chaotisches und rückgekoppeltes neuronales Netz, ähnlich einer Liquid-State-Maschine. In der Eingabeschicht des Netzes reagieren einige Sensoren auf Schall und Licht. Helligkeit und Frequenzen werden verarbeitet und in das Echo State Network zurückgekoppelt. Ein paar feuernde Neuronen, die in einer hörbaren Frequenz schwingen, bilden die Ausgangsschicht. Indikator-LEDs zeigen die Aktivität im Netzwerk an, sowie 8 Lautsprecher machen diese Aktivität an 8 verschiedenen Knotenpunkten des Netzwerks hörbar. So kann der Besucher die Aktivität im neuronalen Netz miterleben und eine Vorstellung von der Komplexität dieser Vorgänge bekommen.

Das Kunstwerk ist im ACI-SHOP erhältlich.

 

 

 

 

Strange Attractors, 2019

 




ein Lorenz-System, das von einem anderen Lorenz-System gesteuert wird, 2019

Seit der Mathematiker Benoit Mandelbrot in "How Long Is the Coast of Britain?" Strukturen in der Natur geometrisch als "selbstähnliche Systeme" beschrieben hat, sind fraktale Strukturen ein Thema. Statistical Self-Similarity and Fractional Dimension" im Jahr 1967 veröffentlicht hat, sind fraktale Strukturen bis heute ein Gegenstand künstlerischer Untersuchungen. Seltsame Attraktoren in ihrer Eigenschaft als chaotische Fraktale bilden zusammen mit selbstähnlichen Strukturen einen wichtigen Teil der Chaosforschung und sind Kern und Leitthema der Installation.

 






Bei "Strange Attractors" handelt es sich um ein generatives System für Sound und Projektionen, das auf dem vom Künstler entwickelten Analogcomputer Confetti basiert, der diese Strange Attractors berechnet.

"Strange Attractors" wirft die Frage auf, ob sich das Klima vorhersagen lässt, beschrieben von Julia Slingo und Tim Palmer in Uncertainty in weather and climate prediction.

Der Titel der Arbeit bezieht sich auf den gleichnamigen mathematischen Begriff (David Ruelle / Floris Takens, 1971), der der Chaostheorie entlehnt ist und physikalische Gesetzmäßigkeiten des chaotischen Verhaltens in dynamischen Prozessen beschreibt. Auf der Basis von seltsamen Attraktoren ist es möglich, z.B. turbulente Strömungen von Flüssigkeiten oder Gasen mathematisch zu beschreiben, die aufgrund ihrer Komplexität und ihres Grades an Zufälligkeit sonst nicht analytisch erfasst werden können. In der Installation werden zwei Lorenz-Attraktoren verwendet, um sowohl den Sound als auch die Visuals zu erzeugen.






Die Arbeit wirft die Frage nach der künstlerischen Definition von Grenzen in einem Raum auf, der faktisch durch den Zufall bestimmt ist. Seltsame Attraktoren zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass sie immer einen begrenzenden Rahmen oder eine entsprechende Ordnung vorgeben, innerhalb derer das eigentliche Chaos stattfinden kann. Das bedeutet, dass - zumindest aus mathematischer Sicht - Zufälligkeit und Chaos durch einen Rahmen ermöglicht werden, der eine Ordnung schafft, denn ohne diesen Rahmen würde sich jedes denkbare chaotische System ad infinitum erheben und damit der Beobachtung und Beschreibung entziehen. Überträgt man diesen Gedanken auf die Kunst, so würde dies bedeuten, dass künstlerisch geschaffene chaotische Systeme nicht sichtbar oder hörbar wären. Dementsprechend wirft die Installation die Frage auf, ob die Künstler selbst den Rahmen schaffen, der die Ordnung herstellt und die Arbeit "zufällig" entstehen lässt.





 

Die Arbeit wurde in der Ausstellung "Self-Similar and Strange" bei Art Claims Impulse in Berlin, 2019 gezeigt.

 

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 Das Kunstwerk ist im ACI-SHOP erhältlich.

 

 

Its organic if you have a closer look, 2017.


 

 

 

 

Die Audio-Video-Installation It's Organic If You Look Close Enough des Künstlers Wolfgang Spahn zielt darauf ab, die sogenannte perfekte Oberfläche zu dekonstruieren, die in der virtuellen Sphäre durch die zeitgenössische digitale Technologie geschaffen wird. Indem er die Oberfläche von OLED-Monitoren mit Hilfe von Makrofilmen erkundet, macht die Kamera die ausgefransten Ränder der Organic Light Emitting Diodes (OLEDs) sichtbar. So entstehen Bilder, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen wären: Die vermeintlich homogenen perfekten Quadrate sind bei der Annäherung mit dem Makroobjektiv tatsächlich einzigartig geformt, ausgefranst und uneben.

Ein Triptychon aus drei OLED-Monitoren, die jeweils mit einer Raspberry Pi-Kamera ausgestattet sind, zeigt Muster, die durch Makrofilme der ausgefransten Pixel entstehen und wieder neu erzeugt werden. So ist jeder Monitor sowohl Quelle als auch Anzeige der Muster, die in einer endlosen Feedbackschleife erzeugt werden. Diese Muster sind vielfältig, denn Makrofilmaufnahmen vergrößern ihre Objekte und erzeugen so performativ Veränderungen hinsichtlich Struktur, Farbe und Dimension der Bilder.

 





 

Insofern spricht die Installation sowohl die organische Struktur der OLEDs als auch die analoge Technologie aus, die Teil der digitalen Schnittstellen ist. Dabei schafft sie Ernüchterung: Die rein digitale Oberfläche kann nur als abstrakte Realität innerhalb der virtuellen Sphäre existieren. In dem Moment, in dem digitale Daten zugänglich gemacht werden - sei es durch den Einsatz von Monitoren, Kameras oder jeglicher Technologie, die es erlaubt, Daten zu speichern, zu teilen oder zu visualisieren - wird die reine digitale Oberfläche durch die Hardware der Interfaces unterbrochen, die immer analoge Technologie enthält.

Dennoch umfasst die Installation auch den virtuellen Raum. Die VGA-Eingangssignale (Video Graphics Array) der OLED-Monitore werden getrackt und deren Ton verstärkt und gestreamt. Insofern wird der unpräzise Klang, der sich aus den organischen Bildern ergibt, im virtuellen Raum öffentlich zugänglich sein. Die Sonifikation der Daten kann als Interferenz verstanden werden: organisches Material greift in die perfekte Oberfläche der abstrakten virtuellen Kugel ein.


 




Das Kunstwerk ist im ACI-Shop erhältlich.

 

 

 

Entagled Pixels

 

 

 

Maailmankaikkeus

 

 

 

 

 

 

 

Noctilucent

 

 

 

 

 

 

 

 


Bilder einer Ausstellung


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eine Klang-Bild Installation
von Wolfgang Spahn, 2014


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Fast 100 Jahre nach der Erfindung des Intonarumori des Futuristen Luigi Russolo sowie der kinetischen Plastik "Licht-Raum-Modulator" des Künstlers und Bauhausprofessors László Moholy-Nagy  werden mit der Installation "Bild einer Ausstellung" die Funktionen dieser beiden Systeme zu einer einzigen Maschine verbunden.

Abstrakte generierte Projektionen korrespondieren mit ebenso abstrakten live erzeugten Geräuschen. Sich permanent bewegende Muster und Artefakte entstehen auf einer Projektionsfläche hinter einem Labor ähnlichem Aufbau. Parallel dazu entwickelt sich ein immer wiederkehrendes Hörerlebnis, erinnernd an rollenden Steinen in einem Flussbett. Inspiriert von der Programmmusik "Bilder einer Ausstellung" von Modest Mussorgski wird in der Installation von
Wolfgang Spahn der Klang direkt aus dem Bild erzeugt. Mittels eines Lasers wir die Oberfläche einer Bildplatte abgetastet. Die so entstehenden Lichtschwankungen werden nun verstärkt und hörbargemacht. Mittels einer analogen Synthesizer-Schaltung (Bass Drum einer 808) wird dem Ton noch Volumen hinzugefügt.




                                             


Die rotierende Bildscheibe ist ein in Miniaturmalweise entstandenes chemisch-physikalisches Farbexperiment aus feinst pigmentierten Substanzen und Nano-Flüssigkeiten. Eine Makrokamera filmt und vergrößert nun dieses abstrakte Bild und projiziert es hinter die Installation. All verwendeten Techniken sind Eigenentwicklungen des Künstlers und basieren auf Open Hard- und Software (www.dernulleffekt.de). So besteht die Kamera aus dem kleinen Linux Computer
Raspberry Pi. Die Steuerung der Drehbewegung wird mit einem Pure Date Patch auf eben diesem Rechner erzeugt.






 Das Kunstwerk ist im ACI-Shop erhältlich.

 

 

 

Entropie 

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Entropie ist eine audio (noise)-visuelle Performance von Wolfgang Spahn.

Beides, Bild und Ton werden aus unterschiedlichen analogen und digitalen eigens entwickelten Maschinen erzeugt. Die Entwicklung des Films / bewegten Bildes began zuerst mit der künstlichen Separation dieser. Durch die Teilung des Bildes und des Tones war es erst möglich Filme zu erstellen. Das Kunstwerk Entropie bringt diese wieder zusammen und hebt die künstliche Trennung auf. Entropy macht die Datenströme des digitalen Projektors hörbar und erzeugt eine audio-visuelle Präsentation der elektromagnetischen Felder bestehend aus Spulen und Motoren.



Elephants' Graveyard

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von Wolfgang Spahn, 2014

160 Dias, 2 Kodak-Karusselle, 1 Videobeamer, Leinwand, Sound und elektromagnetische Sensoren, Verstärker, Lautsprecher, Sync-Generator

Die Installation würdigt die Anfänge der Medienkunst, nämlich die analoge Fotografie, durch die Verwendung von Diapositiven. Zugleich ist sie eine Hommage an ein anderes sterbendes Medium, den Röhrenbildschirm, der seinerseits für die Anfänge der Computertechnik steht. Insofern versinnbildlicht die Installation eine Art Phantomschmerz, den wir gegenüber ursprünglich mit einem Aufbruch assoziierten Medien empfinden, die nun ihrerseits ausgedient haben.

Seitdem LCD Displays und andere Flachbildschirme die Röhrenmonitore verdrängt haben, werden die alten Röhren ausgemustert. Da deren damalige Anschaffung mit erheblichen Kosten verbunden war, tun sich viele Besitzer schwer, sich von ihnen zu trennen. Sie stellen sie in dem naiven Glauben, jemand könne den ehemals wertvollen Monitor noch brauchen, auf der Straße ab, manchmal mit einem Zettel versehen: "funktioniert noch!" Da aber der Bedarf an alten Röhrenmonitoren offensichtlich gedeckt ist, erbarmt sich keiner der Monitore, die spätestens nach dem ersten Regen zu rotten beginnen. Manche werden ausgeschlachtet oder auch mutwillig zerstört, so dass nur ein Gemenge aus zerborstenen Röhren und kaputten elektronischen Innereien zurückbleibt.

Der Künstler Wolfgang Spahn hat dieses Phänomen über einen Zeitraum von fünf Jahren mit einer kleinen analogen Rollei dokumentiert. So entstanden hundertsechzig Kleinbilddias von entsorgten Monitoren aller Fabrikate, die zu verschiedenen Jahreszeiten in den Straßen Berlins deponiert wurden.

Die Installation "Friedhof der Monitore" benutzt zwei Kodak Karusselle und eine Überblendeinheit, um die 160 Bilder als klassische Diapräsentation auf einer Diapräsentationsleinwand zu zeigen. Zugleich wird diese Präsentation mit einer weiteren Projektion überlagert, die als Störbilder (weisses Rauschen, kurzes letztes Aufflackern) die ursprünglichen Dias überlagern. Das so entstehende Palimpsest besteht aus einer analogen Projektion (Dias) und einer digitalen Projektion (Störung).

Parallel dazu werden die mechanischen und elektromagnetischen Geräusche der Diaprojektoren aufgenommen und so verstärkt, dass sie als Noise-Installation fungieren. Diese bildet auch die eigentliche Quelle der visuellen Störung, da sie als Pseudo-Farb-Information eines gehackten VGA Signals den Videoprojektor speist.

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Collins Slide Show

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Interaktive Slide-Show, 2012

Dia Projektor, Dias, LCD, elektrische Schaltkreise, Fernbedienung.

Das Kunstwerk basiert auf eine manipulierten Dia Projektor. Es projiziert gleichzeitig ein analoges Dia und einen digitalen LCD Bildschirm, welcher durch eine Papier-PCB  (Arduino) gesteuert wird.
Die Dia Projektion zeigt ein Satellitenbild, welches Collin Powel präsentierte, um zu beweisen, dass Saddam Hussein im Besitz von Massenvernichtungswaffen sei. Es wurde am 5 Februar 2003 gezeigt
und sollte UN davon überzeugen militärische Schritte gegen den Irak anzuwenden. Der LCD zeigt wiederum zeigt ein low resolution Computerspiel im Stiel eines klassischen Gameboys. Der Besucher können mit einer Fernbedienung das Computerspiel spielen und Schüsse auslösen.
Zwei unterschiedliche Medias, analog und digital werden zu einer Projektion verschmolzen. Eine unterschiedliche Tiefenschärfe macht beide abwechselnd stärker sichtbar.

 

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